Seit der Gründung durch die Gorillaforscherin Diane Fossey gehört die Forschungsanstalt zu den weltweiten wichtigsten Zentren für Gorillaforschung und den Schutz der Tiere Das Karisoke Research Center setzt seit nunmehr 45 Jahren die Arbeit der Biologin Diane Fossey fort, nur unterbrochen von einer achtjährigen Zwangspause wegen der Unruhen in Ruanda in den 90ger Jahren. Damit kann das Forschungszentrum mit einer der am längsten angelegten Tierstudien weltweit aufwarten. Einige Gorillas, die einst schon Fosssey genauer beobachtete, gehören heute noch dazu, während glücklicherweise eine neue Generation dazugekommen ist. Vom Nachwuchs wird es also bald Aufzeichnungen über ein ganzes Gorillaleben geben. Um das Leben der Berggorillas zu verstehen, sind Unmengen von Daten erforderlich. Mitarbeiter des Karisoke Research Centers sammeln rund ums Jahr, in mühseligen Stunden in Waldverstecken verborgen, bis zu 3.000 verschiedene Anhaltspunkte, zu Demografie, Rangordnung, Fortpflanzung und Sozialverhalten. Eine derartige Spezifizierung und langfristig angelegte Datensammlung ist einzigartig und das Aushängeschild von Karisoke.

Genaue Daten liefern wichtiges Wissen

So kann man heute beispielsweise sehen, wie sich die Berggorillas in Ruanda im Lauf der letzten Jahrzehnte in neue Gruppen aufgeteilt haben. Während es in den 70ger und 80ger Jahren noch eher kleine Familien mit höchstens 15 Mitgliedern und maximal zwei Silberrücken waren, sind es 2006 nur noch drei Gruppen mit bis zu 65 Familienmitgliedern und teils neun Silberrücken gewesen. Heute sind es wieder mehrere und dafür kleinere Verbände. Noch weiß man nicht ganz genau, warum das so ist.

Aufgrund dieser Langzeitstudien können die Forscher des Karisoke Research Centers aber recht genaue Aussagen über das Sozialverhalten der Berggorillas treffen: Wie sich die Dominanz einzelner Männchen verändert, Vorlieben oder Abneigungen gegenüber bestimmten Weibchen entstehenund auch die Unterschiede zwischen kleinen und großen Verbänden lassen sich genau entziffern. Eines steht für die Forscher fest: Je besser sie das Leben der Berggorillas in Ruanda verstehen, desto mehr können sie ihnen helfen. Auch die immer schwelende Frage, wann der Park zu klein für die Gorilla-Population ist, kann mit Hilfe genauer Daten eher beantwortet werden. Gerade, weil Unruhen im benachbarten Kongo immer wieder Gorillas von dort vertreiben, kommen immer wieder neue Tiere in Ruanda hinzu.

Zu den Aufgaben des Karisoke Research Centers bzw. des Diane Fossey Gorilla Fund International gehört zudem ein Anti-Wilderer-Programm. Ranger-Teams durchkämmen regelmäßig den Volcanoes National Park auf der Suche nach illegalen Jägern oder Auffälligkeiten. Dazu gehören unter anderem auch Holzdiebe oder Rinderherden, die unerlaubterweise im Nationalpark weiden. Auch ausgelegte Fallen, die von Jägern für Kleinwild gestellt werden, entfernen die „Anti-Poaching“-Trupps. Bis zu 2.000 Fallen sind es pro Jahr, die den Berggorillas gefährlich werden können!

Unverwechselbarer Nasenabdruck

Von morgens bis abends begleitet einer oder mehrere Ranger eine Gorilla-Familie. Nur nachts bleiben die Tiere alleine, schon zu Sonnenaufgang aber kommen die Forscher wieder, folgen dem Pfad zertretener Pflanzen und spüren die Gruppe stets in der Nähe des vorabendlichen Rastplatzes auf. Per GPS werden die genauen Koordinaten gespeichert und Aussehen, Gesundheit und Verhalten jedes einzelnen Familienmitglieds und alle Veränderungen der gruppe werden genau festgehalten. Doch wie hält man die Tiere auseinander? Experten unterscheiden Ddie Berggorillas anhand der „Nasenzeichnung“ – einem Muster aus Fältchen ähnlich unseres Fingerabdrucks. Forschern des Karisoke Research Center helfen Fotografien und Zeichnungen dabei, jedes Tier genau zuzuordnen. Doch weil sich der „Nasenabdruck“ im Laufe eines Gorillalebens verändert, müssen die Forscher jedes Jahr über 120 neue Musterfotos anfertigen.

Weil aber auch die genauste Zuordnung nicht immer hundertprozentig ist, sammeln die Forscher des Karisoke Research Center DNS-Spuren aus den Hinterlassenschaften der Berggorillas, um deren Stammbaum genau zurückverfolgen zu können. Ein Geographical Information System – kurz GIS – zeichnet über längere Zeiträume alle Bewegungen der Berggorilla-Familien auf, ebenso aber auch andere wie beispielsweise Wilderer. Somit können die Ranger immer dort eingreifen, wo sie gebraucht werden und längerfristig die Schutzmaßnahmen verbessern.



Übersicht