Diane Fossey – Neue Wege der Forschung

Über 18 Jahre lang erforschte die Amerikanerin die Berggorillas in Ruanda und veröffentlichte ihre Erlebnisse im Buch „Gorillas im Nebel“, das sie weltberühmt machte. Diane Fossey war die erste Forscherin der es gelang, direkten Kontakt zu den scheuen Tieren herzustellen

Eigentlich seit dem Buch, spätestens seit dem Film „Gorillas im Nebel“ ist Diane Fossey weltweit eine Ikone der Gorillaforschung. Über die 1932 in San Francisco geborene Biologin gibt es heute hunderte Biografien und Nachschlagewerke. Die einzelnen Stationen ihres Lebens und Schaffens sind überall nachzulesen und doch soll der mutigen Pionierin an dieser Stelle ein Kapitel gewidmet werden. Denn für Reisende im Volcanoes national Park ist heute vor allem interessant, welches Vermächtnis Diane Fossey Gorillafreunden aus aller Welt hinterlassen hat.

Unorthodoxe Forschungsmethoden

Fosseys größtes Verdienst ist sicher ihr Mut, fast 18 Jahre lang nahezu ununterbrochen in den Bergwäldern Ruandas zu leben, um die Berggorillas hautnah zu erforschen. Bis dahin gab es weder genaues Wissen über die Tiere, geschweige denn solch genaue Daten. Diane Fosseys Innovation war das, was man heute unter Wissenschaftlern als „teilnehmende Beobachtung“ bezeichnet. Das Dabeisein und Miterleben des Forschungsobjekts – hautnah und fast 24 Stunden lang. Nur zwei weitere Pioniere der Feldforschung, Jane Goodall, die Schimpansen in Tansania beobachtete und Birute Galdikas, der Orang-Utans in Borneo, waren ähnlich offen für Neues.

Doch in den Bergwäldern war Diane Fossey auf sich selbst gestellt, von Berggorillas hatte die Wissenschaft bis dahin so gut wie keine Ahnung. Weder, wie sie auf Menschen reagieren, noch, wie man sich ihnen am besten nähert. Weil Diane Fossey also auf kaum bekannte Methodik zurückgreifen konnte, musste sich die junge Frau von Punkt Null an alles selbst erarbeiten. So fand sie sich bald tagelang durch Gestrüpp und regendurchweichte Berghänge streifen, um den scheuen Tieren wenigstens ein wenig näher zu kommen. Und mit der Zeit reifte ein Plan in Diane, der so bislang in der Primatenforschung noch völlig unbekannt war: Um das Verhalten der Berggorillas zu verstehen wollte sie einzelne Gorillas unterscheiden lernen, wofür sie aber wiederum die Tiere an ihre Anwesenheit gewöhnen musste. Dabei halfen ihr Aufzeichnungen aus einem Buch, das der Forscher Schaller 1963 verfasste. Auch ein bekannter tierfotograf befürwortete Fossey in ihrer unorthodoxen Forschungsweise und ermunterte sie, sich näher an die wilden Tiere heranzutrauen. Letztlich auch, um selbst an sensationelle Bilder zu kommen – Frau neben Silberrücken!

Auf Händen laufen und wilden Sellerie essen

Doch Diane Fosseys Leidenschaft wurde immer passionierter und sie ging soweit, die Sprache der Berggorillas zu lernen. Eine Kommunikation zwischen Primat und Mensch? In den 70ger Jahren undenkbar – bis Diane kam. Sogar die Art sich zu bewegen und die Hände als Fortbewegungsmittel zu nutzen eignete sie sich nach und nach an. Selbst vor einem gemeinsamen Gorilla-Mahl mit wildem Sellerie und anderen Lieblingsspeisen ihrer Forschungsobjekte schreckten Dr. Fossey nicht zurück und überzeugte die Berggorillas so endgültig von ihren friedvollen Absichten. Einen der bewegendsten Momente fing der Tierfotograf Bob Campell 1970 mit der Kamera ein: Das riesige Männchen Peanut streckt seine Hand aus, um Fossey vorsichtig zu berühren. Ein Durchbruch in der Forschung!

Das Leben mit dem Tot bezahlen

Doch ebenso leidenschaftlich wie sie forschte, steigerte sich Diane Fossey auch in die Verteidigung „Ihrer“ Gorillas gegen Wilderer. Als diese ihren Lieblingsgorilla Digit tüteten, entwickelte Diane Fossey einen geradezu fanatischen Hass auf Wilderer und bezahlte sogar Söldner, die die Wälder gegen Eindringlinge verteidigen sollten. Mit Hilfe von Spenden gründete sie die Digit Stiftung, die seit 1992 Diane Fossey Gorilla International Fund heißt und das Fortbestehen der Berggorillas in Ruanda sichert. Doch ihr immer aggressiveres Vorgehen gegen Wilderer schaffte immer mehr feinde und der Mord an Diane Fossey, die im Dezember 1985 tot in ihrer Höhle gefunden wurde, ist bis heute nicht geklärt.



Karte von Ruanda