Gorilla Trekking in Ruanda

Eine schwierige Beziehung

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Nach dem Genozid 1994 flohen viele Tutsi-Mörder in den Kongo und Ruandas Regierung will diese dingfest machen. Seit 2012 unterstützt Ruanda die Rebellengruppe M23 im Kongo, was die Situation nicht einfacher macht

Nachdem die Tutsi-geführte "Ruandische Patriotische Front" unter Paul Kagame Ruanda erobert hatte und nach dem Genozid einigermaßen für Ruhe im Land sorgte, flohen mehr als 1 Millionen Menschen, vorwiegend Hutu, ins Nachbarland Kongo. Unter den flüchtigen befanden sich allerdings auch etliche bewaffnete Soldaten der „Armée Forces Rwandaises (FAR), die maßgeblich am Völkermord beteilig waren. Diese formierten sich in der Region Nord-Kivo im Kongo neu und verbündeten sich dort mit gleichgesinnten, kongolesischen Hutu. Seit 1996 griffen sie kongolesische Tutsi an, welche im Gegenzug eine eigene, von Ruanda aus unterstützte, Milz aufbauten. Der erste Kongokrieg war im vollen Gange und fand ein Ende in der Regierungsübernahme des Präsidenten Laurent-Désiré Kabila 1997. Um seinen Sturz durch die von Ruanda gegründete „Ressemblement Congolais pour la Démocratie“ und deren Vormarsch auf Kinshasa zu verhindern, musste der kongolesische Präsident Kabila militärische Unterstützung aus anderen Ländern anfordern - der zweite Kongokrieg brach aus.

Der eine stürzt den anderen

2002 schloss Kabilas Nachfolger Friedensverhandlungen mit Uganda und Ruanda ab, 2003 wurden alle fremden Truppen abgezogen. Doch die Rebellengruppen in Kongo, zu denen auch die ehemaligen, flüchtigen Völkermörder der FAR aus Ruanda zählten, blieben. Um die im Kongo lebenden Tutsi vor ihnen zu schützen, gründete sich unter Laurent Nkunda der „Nationalkongress zur Verteidigung des Volkes“. Doch 2006 lieferte dieser sich immer wieder Kämpfe mit der kongolesischen Armee, Truppen der UN-Friedenskommission und Rebellen. Gipfel der Kämpfe war Nkundus Aufruf, Präsident Joseph Kabila zu stürzen. Doch nicht dieser, sondern Nkundu selbst wurde von seinem eigenen Militärgeneral, Bosco Ntaganda, gestürzt.

Ntaganda unterzeichnete einen Waffenstillstand zwischen Ruanda und Kongo, um gemeinsam gegen den gestürzten Nkunda vorzugehen. Auch das gemeinsame Vorgehen gegen ruandische Hutu-Milizen in Ost-Kongo hat die beiden Länder mehr zusammenwachsen lassen. Seit 2009 wurden offizielle Annäherungsversuche unternommen und in einem Friedensvertrag festgehalten.

Der gebrochene Frieden

Doch im November 2012 brandeten die Unruhen wieder auf. So genannte M23-Rebellen werfen der kongolesischen Regierung vor, sich nicht an diesen Friedensvertrag zu halten und besetzten daraufhin die Provinzhauptstadt Goma im Osten des Kongos. Problematisch dabei ist vor allem die Tatsache, dass die M23 im Kongo von Ruanda und Uganda unterstützt wird – keine guten Voraussetzungen für eine Annäherung! Mitte November 2012 trafen sich die Staatsoberhäupter von Kongo, Uganda und Ruanda, wobei der kongolesische Präsident Kabila versprach, die Forderungen der M23-Rebellen zu prüfen. Auf Grund einer von verschiedenen afrikanischen Ländern verabschiedeten Resolution zogen sich die Rebellen aus Goma zurück. Am 9. Dezember 2012 begannen Verhandlungen zwischen den M23-Rebellen und einer Delegation der kongolesischen Regierung unter der Leitung des ugandischen Verteidigungsministers. Selbst nach etlichen Verhandlungsrunden ist bisher noch keine endgültige Einigung in Sicht.

Ruandas Standpunkt im Kongo-Konflikt

Wie ein roter Faden zieht sich der Konflikt des Geozids von 1994 bis in unsere heutigen Tage fort. Der ruandische Präsident Kagame ist selbst Tutsi und unterstützte damals die marodierenden Hutu. Die Jagd auf die in den Kongo entflohenen Hutu-Milizen wird damit gerechtfertigt, dass die nationale Sicherheit Ruandas bedroht ist und die „Brüder und Schwestern“ auf der anderen Seite der Grenze geschützt werden müssen. Weil die Regierung des Kongos dies aus Sicht Ruandas nicht bewerkstelligen kann 8oder will), unterstützen sie die M23 Rebellen im Nachbarland im Kampf gegen die Völkermörder.
Zu den Unruhen zwischen Tutsi und Hutu kommen noch zahlreiche andere Konflikte zwischen verschiedenen Ethnien in Ruanda und Kongo



Karte von Ruanda