Gedenken an den Völkermord

Bis heute zeugen Gedenkstätten in und um Kigali an den Genozid von 1994. Mit teils unter die Haut gehenden "Exponaten"

Kigali Memorial Center

Anlässlich des zehnten Jahrestages des Genozids in Ruanda eröffnete 2004 das Kigali Memorial Center seine Pforten. Dieser Platz ist zeitgleich die letzte Ruhestätte von 250.000 Menschen, die während des Völkermords den Tod fanden. Hier konnten Familien und Angehörige ihre Toten anständig begraben und das Memorial Center soll ihnen ein Denkmal setzen.

In drei Ausstellungen wird in je drei Sprachen dem Genozid allgemein aber auch den ermordeten Kindern in einer Sonderausstellung gedacht – mit 14 detaillierten Portraits. Ein Teil widmet sich den Völkermorden weltweit, eine Wand mit den Namen der Opfern erinnert an jeden Einzelnen.

Ein weiterer Schwerpunkt des Kigali Memorial Centers ist die Ausbildung von Kindern. In einer angeschlossenen Schule sollen sie sowohl Allgemeinwissen als auch soziale Kompetenzen erlangen. Viele können sich zwar nicht mehr an den Genozid erinnern oder waren damals noch nicht geboren, doch um künftig derartige Grausamkeiten zu verhindern wird im Memorial Center ein wichtiger Grundstein für ein tieferes, zwischenmenschliches Verständnis gelegt.

Kirchen in Ntarama und Nyamata

Von Kigali aus findet sich rund 30 Kilometer in südlicher Richtung die kleine Kirche von Ntarama. In dem Sakralbau wurden 1994 über 5.000 Menschen, darunter vornehmlich Frauen und Kinder, erschlagen. Bewusst hat man bis heute die Spuren des gewaltsamen Zutritts der Mörder belassen, im Kirchenschiff liegen noch immer die Gebeine der Toten. Gemischt mit zerfetzter Kleidung, Haushaltsgegenständen und anderem persönlichen Habe der Opfer. Es ist, als wäre das Massaker erst vor Stunden passiert… In einem Gebäude aus Bambusstangen werden die Schädel der ermordeten Menschen aufbewahrt.

Ein größeres Genozid Memorial liegt in Nyamata, noch einmal 10 Kilometer südlicher. In der großen Kirche wurden die augenscheinlichen Spuren des Mordes an 2.500 Menschen weitgehend beseitigt, doch die Granateinschläge und vereinzelte Blutspuren an den Wänden des Kirchenschiffs sowie zahlreiche Kränze und Kerzen der Angehörigen sprechen Bände.



Karte von Ruanda