Gorilla Trekking in Ruanda

Kehrtag für die Zukunft Ruandas

Per Gesetz wird im ganzen Land einen Tag im Monat lang saubergemacht. Nicht nur im Sinne von Aufräumen, sondern auch im Sinne von Völkerverständigung und Konfliktbewältigung

Das, was aufmerksame Reisende an jedem letzten Samstag im Monat auf Ruandas Straßen beobachten können, ist das afrikanische Pendant zum schwäbischen „Kehrtag“. Amtliche Ankündigungen erinnern schon im Voraus an die Pflicht der Bürger, sämtliche Geschäfte sind während der peniblen Säuberungsaktion bis 13 Uhr, ganz Ruanda, so scheint es, ist auf den Beinen. Um jeden noch so winzigen Papierfetzen von der Straße zu klauben, aufzuräumen oder auch Bäume zu pflanzen, Straßen auszubessern und um Probleme ganz allgemeiner Art zu erörtern. Reinen Tisch machen auf allen Ebenen. Sich mit der Vergangenheit aussöhnen und Konflikte auszuräumen.

Düstere Vergangenheit

Der so genannte „Umuganda Day“ hat allerdings eine düstere Vergangenheit. Der Tag der öffentlichen Gemeinschaftsarbeit wurde 1990 vom damaligen Präsidenten Juvenal Habyarimana benutzt, um Anhänger der Hutu-Power-Ideologie zum Morden aufzurufen. „Arbeiten“ wurde damals im Kontext mit makaberer Verfolgung ausgelegt.
Der heutige Präsident Paul Kagame verhalf dem Umuganda Day wieder zu seiner ursprünglichen Bedeutung und die öffentliche Gemeinschaftsarbeit findet zum Wohl Ruandas statt. Erst sollte der Kehrtag sogar jeden Samstag erfolgen, doch das war den Ruandern dann doch zu viel. Auch jeder letzte Samstag im Monat reicht, dass in ganz Ruanda Ordnung und Sauberkeit herrschen, wenn alle mit anpacken.
Ethnisch und gesellschaftlich sorgt der Umuganda Day ebenfalls für friedliche Ordnung. Volksgruppenübergreifend kommen die Menschen zusammen, packen gemeinsam mit an und lernen sich besser kennen. Der Kehrtag macht so sensibel für die Probleme und Wünsche der anderen. Hauptzielgruppe des ugandischen „Kehrtags“ ist die Jugend, in deren Hand die Zukunft des Landes liegt.

Schwänzen gilt nicht!

Damit sich wirklich jeder Bürger angesprochen fühlt, geht Präsident Kagame mit gutem Beispiel voran und legt regelmäßig selbst mit Hand an, wenn es etwas aufzuräumen, auszubessern oder aufzubauen gibt. Für die Regierung Ugandas ist der Umuganda Day eine sehr ernste Angelegenheit und selbst wenn noch nicht jeder mithilft, so werden es von Samstag zu Samstag mehr, die im weitgefassten Sinn aufräumen.
2008 ließ Präsident Kagame allerdings auch verlauten, dass alle „Schwänzer“ gesetzlich in die Pflicht genommen werden. Polizei, Armee und lokale Autoritäten haben dafür Sorge zu tragen, dass die Drückeberger am Umuganda Day teilnehmen. Wer sich als Kehrtag-Schwänzer erwischen lässt, muss umgerechnet 60 Cent Strafe zahlen! Für einen Ruander empfindlich viel Geld…



Karte von Ruanda